2. Bundesliga, Frauen:

TG verliert Punkt in den letzten Sekunden

Zu einer höchst spannenden Angelegenheit geriet das letzte Spiel der Saison der TG Nürtingen bei der SG 09 Kirchhof. Über die gesamte Spielzeit boten beide Teams einen offensiv beeindruckenden Schlagabtausch, bei dem am Ende die Gastgeberinnen dank eines umstrittenen Siebenmeters drei Sekunden vor Schluss mit 31:30 die Nase vorn hielten.
Beschaulichkeit bietet sich normalerweise dem Betrachter des Fachwerkstädtchens Melsungen vor den Toren Kassels. Hat man aber die träge fließende Fulda überquert und die Anhöhe zur Stadtsporthalle erklommen, dann geht es meist höchst betriebsam zu. Denn dort tragen die Frauen der SG 09 Kirchhof ihre Heimspiele in der 2. Bundesliga aus und ein Blick in die Statistik der Liga zeigt, wo bei der Spielgemeinschaft der Hammer hängt. Mit der Toptorjägerin der Liga Diana Sabljak hat die SG nicht nur eine Spielerin unter den zwanzig erfolgreichsten Scorerinnen. Mit den Niederländerinnen Visser und Boonkamp sind darunter zwei weitere Vertreterinnen der SG09. Vor allem aber liegt dabei Kapitänin Kühlborn noch mit vorn, die als Linksaußen bei den Nordhessinnen für Furore sorgt und mit 116 erzielten Treffern eine beachtliche Quote aufweisen kann. Schwerstarbeit in der Abwehr war also für die TG Nürtingen angesagt, die in dem beschriebenen Hunderterclub, lediglich mit Breidert (171) und Fischer (104) aufwarten konnte.

Anpfiff zum Abpfiff

Hohe Emotionalität war im Spiel als die beiden Unparteiischen Jan Krüger und Björn Schmidt aufs Parkett baten. Denn bei Kirchhof wollten sich drei Leistungsträgerinnen mit einer tollen Abschiedsvorstellung im Gedächtnis ihrer Fans einprägen und bei der TG Nürtingen endet mit dieser Partie bekanntlich auch die Ära Breidert (siehe Interview der NTZ). Vom Anpfiff weg zeigten beide Mannschaften eine höchst engagierte Vorstellung, bei der sich die Spielerinnen nichts schenkten und mit ungeminderter Motivation zu Werke gingen. Kirchhof legte zunächst vor, jedoch konterte die TG Nürtingen umgehend und lieb den Gastgeberinnen stets auf den Fersen. „Wir haben es geschafft über 60 Minuten viele Tore aus der 1. und 2. Welle zu erzielen,“ kommentierte Eidt anerkennend die Offensivleistung seiner Mannschaft, die bis zum 7:7 (Siller, 11.) nichts unbeantwortet ließ und immer auf Augenhöhe agierte. Mit den beiden Aushilfen aus der zweiten Mannschaft Wachtarz und Hennig hatte Eidt ja bekanntlich sein Rumpfteam ergänzen müssen, was der Spielstärke aber nicht abträglich war. Erst gegen Ende des ersten Spielabschnitts gestattete die TGN Kirchhof einen Vorsprung mit drei Treffern beim Stand von 16:13 (Kühlborn, 29.). Mit dem 16:14 verkürzte aber kurz darauf die torhungrige Carmen Siller auf der ungewohnten Linksaußenposition und hielt ihre Mannschaft dadurch weiter im Rennen.

Offensiver Schlagabtausch ungebrochen

Wer gedacht hatte, dass die beiden Kontrahenten im zweiten Durchgang etwas zurückschalten und gemächlicher zu Werke gehen würden, sah sich positiv überrascht. „Den Zuschauern war noch einmal richtig was geboten und wir haben trotz etlicher einfachen Fehler auch sehr viele gute Aktionen in der Abwehr und schöne Angriffsmomente erlebt,“ kennzeichnete Stefan Eidt seine wesentlichen Eindrücke von dieser abwechslungsreichen Partie. Mit ihrem dritten verwandelten Siebenmeter zum 19:19 (40.) von Nina Fischer war die TG Nürtingen wieder in bester Ausgangslage und schickte sich an immer noch etwas draufzusetzen. „Wir sind zwar immer wieder etwas zurückgefallen, aber meine Mannschaft hat sich immer wieder gefangen und nachgesetzt,“ lobte Eidt die Einstellung seines Teams. Selbst ein Rückstand von vier Toren war der Motivation der TG Nürtingen nicht abträglich. Sabljak hatte die SG Kirchhof mit ihrem Tor zum 29:25 (53.) auf Siegeskurs gebracht und alle Anwesenden hatten angenommen, dass damit die Partie gelaufen wäre. Angeführt von Julia Bauer und der überragenden Nina Fischer setzte die Turngemeinde aber noch einmal zum Schlussspurt an und kam eineinhalb Minuten vor Spielende durch Tore von Hennig und Fischer noch zum 30:30 Ausgleich. „Selbst einige einheimische Zuschauer haben dann aber die Berechtigung des entscheidenden Siebenmeters angezweifelt,“ haderte Eidt mit den letzten Sekunden der Partie. Ein Allerweltsfoul in unverdächtiger Position bescherte der SG 09 Kirchhof vier Sekunden vor dem Abpfiff noch den Strafwurf von der Siebenmeterlinie. Sabljak ließ sich diese Chance nicht mehr entgehen und verwandelte unter tosendem Beifall zum 31:30 und verhalf ihrer Mannschaft zur Festigung von Platz fünf im Abschlussklassement.

Eidt nach schwierigem Verlauf zufrieden mit Saisonergebnis

Unter Berücksichtigung der vielen Langzeitausfälle war Stefan Eidt mit seinem Fazit zum Ende der Saison durchaus zufrieden mit dem Erreichten. „Nach den vielen Rückschlägen mit den langwierigen Verletzungen können wir eigentlich mit dem Abschluss zufrieden sein,“ bilanzierte Eidt die Leistungen seiner Mannschaft. Er fügte aber auch an, „dass da doch auch angesichts einiger knapper Niederlagen und Spielverläufe noch einiges mehr möglich gewesen wäre und daran müssen wir hinsichtlich der nächsten Saison arbeiten,“ merkte der TG- Trainer noch an. Knapp vier Monate bleiben der Turngemeinde dafür, um sich neu auszurichten.

SG09 Kirchhof: Siggaard, Demianczuk, Küllmer; Lucas (2), Breiding (3), Boonkamp (3), Nolte (2), Kühlborn (7), Svirakova (1), Sabljak (8/2), Szary (2), Urbicht, Visser (2), Mai (1)

TG Nürtingen: van de Polder, Hesel, Lukau; Fischer (12/4), Wieder, Schuhknecht (3), Breidert (3), Hennig (1), Siller (6), Wachtarz, Bauer (4), Treusch (1)

Schiedsrichter: Jan Krüger / Björn Schmidt (Schafflund/Flensburg)

Zeitstrafen: Nolte, Visser – Schuhknecht (3, rote Karte), Wachtarz

Zuschauer: 740

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SG 09 Kirchhof